Detlef Erasmus (l.) vom Lauftreff des Sportclubs Bad Münder startete erstmals beim 100-km-Nachtlauf in Biel. Zusammen mit seinem radfahrenden Coach Axel Gellert war er restlos begeistert von diesem außergewöhnlichen Laufevent.
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SC-Läufer erleben Mythos 100 km-Lauf in Biel
Klaus Peschke und Detlef Erasmus vom Lauftreff SC Bad Münder erfolgreich / Einmaliges Erlebnis
Leichtathletik (ndz). "Die Nacht der Nächte". So wird der 100-km-Lauf im Schweizerischen Biehl bei Insidern gerne bezeichnet. Zwei Aktive des Lauftreffs des Sportclubs Bad Münder haben sich dieser Herausforderung gestellt. Das Besondere an diesem Vorhaben: Der Startschuss erfolgte um 22 Uhr.
Detlef Erasmus (49) und Klaus Peschke (67) hatten viele hundert Trainingskilometer in den Beinen, als sie sich entschlossen, gemeinsam mit Freund Axel Gellert (49) als Fahrradbegleiter dieses Abenteuer zu wagen. Nach langer Reise kamen die drei, begleitet von Cordula Erasmus, am Startort Biel gegen 14 Uhr an.
Die Anspannung war für das Münderaner Trio so groß, dass selbst die Übertragung des Eröffnungsspiels der Fußball-WM zur Nebensache wurde. Bereits ab 20 Uhr wurde es zunehmend unruhig unter den Läufern. Jeder bereitete sich auf seine Weise auf den Start vor. Detlef Erasmus: "Fragen jagten einem durch den Kopf: Hat man an alles gedacht? Was zieht man an? Sollte man noch was essen? Hat man alle Scheuerstellen abgeklebt beziehungsweise eingerieben?"
Bereits um 21.30 Uhr wurden die Fahrradbegleiter vor dem Läuferfeld mit der Polizei zum Treffpunkt bei Kilometer 23 geführt. Bis dort zieht sich das Läuferfeld von rund 1750 Teilnehmern auseinander, sodass diese nicht durch die Radfahrer behindert werden.
Endlich dann der Start um 22 Uhr: Klarer Himmel, Mondschein, Windstille und gute Temperaturen, bessere Bedingungen hätten sich Klaus und Detlef nicht wünschen können.
Die ersten Kilometer gingen durch die Stadt, ehe die ersten Steigungen zu bewältigen waren. Nach 2:05 Stunden trafen die beiden dann auf Axel, den Fahrradcoach.
Viele Highlights auf der Strecke lenkten immer wieder von den Strapazen ab. So war es die alte Holzbrücke in Aarberg, wo die Zuschauer ein Volksfest feierten, aber auch viele Bauernhöfe hatten alle Scheinwerfer eingeschaltet, und Zuschauer feuerten die Läufer an. Nach knapp 4:52 Stunden war für Detlef die Hälfte der Strecke erreicht. Müdigkeit machte sich breit, und der Fahrradcoach fror beiTemperaturen unter 10 Grad. Von Kilometer 56 bis 67 waren die Läufer wieder alleine unterwegs. Es galt den "Ho-Tschi-Minh-Pfad" (Emmendamm) zu bewältigen, ein Weg der viele Steine und Wurzeln aufwies. Hier konnte man auch nur mit einer Lampe laufen, denn es war ja um 3.30 Uhr noch dunkel.
Nach diesem Abschnitt begleiteten die ersten Vogelstimmen die Läufer, und bald wurde es auch hell. Bis Kilometer 76 in Bibern ging es ständig leicht bergauf, ehe es noch einmal in Serpentinen richtig steil hinauf ging.
Detlefs Wunsch, unter 11 Stunden ins Ziel zu kommen, wandelte sich anhand der guten Zwischenzeiten in den Traum, gleich beim ersten Hunderter unter zehn Stunden zu finishen. In der Früh ging es an einem Fluss entlang bis Kilometer 90 und ab Kilometer 95 waren die letzten Kilometer einzeln gekennzeichnet: 96,97,98,99...100.
Geschafft! Nach 9:39:59 Stunden kam Detlef Erasmus als 111. der Gesamtwertung, begleitet von seinem Coach, ins Ziel. Mit dieser Zeit erreichte er das so genannte Elitefeld in Biel, zu dem alle Läufer unter 10 Stunden berufen werden.
Mit schmerzenden Muskeln "ging" Detlef Erasmus mit Ehefrau Cordula gegen 9 Uhr wieder zum Ziel, um den erwarteten Zieleinlauf von Klaus nicht zu verpassen. Jubelnd kam dieser nach 11:17:23 Stunden ins Ziel. Mit dieser Zeit kam er bei seiner 3. Teilnahme auf den 4. Platz in der Alterklasse 65 und landete im Gesamtklassement auf Rang 395. Ein unvergessliches Erlebnis war zu Ende gegangen.
© Neue Deister-Zeitung, 15.06.2006