600
Läufer und ein paar „Rasende Reporter“
11 Uhr: An der Bergschmiede fällt der
Startschuss für die insgesamt 607 Teilnehmer. Ich laufe aber noch nicht.
Schließlich muss ich noch arbeiten, sprich: Fotos machen. Die Kollegen
warten freundlicherweise auf mich. Das Gute am Söltjerlauf ist: Auf die
Zeit kommt es nicht an. Die Strecke ist für vier Stunden geöffnet, in
der Zeit läuft jeder so viele Runden, wie er schafft. Unsere Mannschaft
heißt – sehr originell – „Die Rasenden Reporter“ und besteht außer mir
aus Jennifer Minke, Marita Scheffler, Jens Rathmann, Jens Mewes, Marc
Fügmann und Steffi Krone. Letztere muss noch arbeiten und kommt erst,
als alle anderen von uns schon aufgehört haben – dafür läuft sie mehr
als alle anderen: sieben Runden.
Zweite
Runde: Wir werden schon überrundet. Jobst von Palombini, Jörg
Zimmermann, André Gudde und Jan Bergmann zischen an uns vorbei, sie sind
schon auf der dritten Runde – insgesamt dreizehn werden sie schaffen.
Ich überhole Ulrike Markwirth, Tischtennis-Spielerin beim TSV
Hachmühlen, die ihre ganze Familie als Mannschaft gemeldet hat. Sie
läuft aber alleine, wie wir hängt sie dem Rest hinterher. Vor drei
Jahren hatte sie schon einmal den ganzen Clan angemeldet: „Drei
Generationen“, erzählt sie, „die Eltern sind spazieren gegangen.“ Auch
das geht beim Söltjerlauf.
Ich habe den Kontakt zu Jenny Minke
verloren und gebe Gas, um sie einzuholen. Dabei überhole Peter – das
steht jedenfalls auf seinem Rücken. Peter teilt sich seine Kräfte
offenbar gut ein, denn am langen Anstieg zieht er wieder an uns vorbei.
Auf dem Weg bergab ins Ziel kriegen wir ihn aber wieder.
Auch
Ulla Köppen, die am Ende mit elf Runden gewinnt, überholt uns am Berg
mit dem Worten: „Oh, wo NDZ draufsteht, ist auch NDZ drin.“ Sie spielt
auf unsere Laufshirts an. Zwischendurch treffen wir auch Mara Opitz. Die
Zehnjährige von der TuSpo ist ein Lauftalent – allerdings eher auf den
Mittelstrecken. Mit ihrer Mutter Iris schafft sie aber sechs Runden –
mehr als ein Halbmarathon.
Jenny Minke steigt nach zwei Runden
aus, Jens Rathmann und Marc Fügmann auch – Termine. Ich bewaffne mich
mit Block und Kamera und mache mich wieder an die Arbeit. Als Marita
Scheffler vorbeikommt, schließe ich mich ihr aber an und laufe noch eine
Runde. Unterwegs überholen wir Jette und Greta. Die Freundinnen
schieben ihre Puppenwagen über die Strecke und sammeln so auch Geld für
den guten Zweck. Einen Euro spendet die Sparkasse Weserbergland pro
gelaufene Runde, 2425 Euro kommen am Ende zusammen – 28 davon erlaufen
von den Rasenden Reportern. Der Erlös geht in diesem Jahr an die
mündersche Rettungshundestaffel, die davon das Vereinsheim renovieren
will.
An der Steigung überholen wir ProBürger-Fraktionschef
Helmuth Mönkeberg, der ebenfalls als Reporter unterwegs ist – für‘s
Bürgerradio. Er fragt mich irgendwas und hält mir sein Diktiergerät
unter die Nase. Ich schnaufe irgendwas, glaube aber nicht, dass es
sendefähig ist. Marita Scheffler klingt dagegen, als sei sie gerade erst
losgelaufen. Während ich nach der dritten Runde aufhöre, hängt sie noch
zwei dran, insgesamt sechs. So viel schafft übrigens auch Svenja
Holenburg. Die ist gerade mal acht Jahre alt und gehört zur „Völksener
Laufmasche“, einem privaten Lauftreff, bestehend aus den Familien
Holenburg und Härtel. „Und Jens Kinzel“, wie Katrin Härtel betont.
Ich
gönne mir derweil eine Massage: Die bietet Marco Czulkies von der
Reha-Klinik Bad Münder den Läufern kostenlos an – den Blick vom Süntel
über den Deister inklusive. Angenehm ist das, andere haben die Massage
aber nötiger als ich: Dirk Borcherding etwa. Der läuft sieben Runden,
kriegt am Schluss aber Krämpfe, wie er erzählt. Kein Wunder: Er ist
eigens aus Ostfriesland angereist, „die Berge bin ich nicht gewohnt“,
sagt er.
Ich bin so langes Laufen nicht gewohnt, der Muskelkater
hält sich am nächsten Tag aber in Grenzen. Das – so ergibt eine kleine
Umfrage in der Redaktion – ist nicht bei allen Rasenden Reportern so...