Glücksgefühle entschädigen für die Schinderei

Letzter Rad-Check am Abend vor dem Start: Ines Heinze, Imre Morva und Günther Vogt (v. l.).
Triathlon
(jab). Die Sieger bei der Roth-Challenge, Deutschlands wohl
berühmtestem Triathlon, stellten neue Weltbestzeiten auf. Für Günter
Vogt kein Wunder: „Ich habe sie ja auch vor mir hergetrieben“, sagt er
lachend. Er hat seinen Humor nicht verloren, dabei war sein erster
Langdistanz-Triathlon – 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren
und 42,195 Kilometer Laufen – zumindest in der zweiten Hälfte die
reinste Quälerei. „45 Kilometer vor dem Ende der Radstrecke ist mir
jemand in die Seite gefahren und ich bin im Graben gelandet“, erzählt
er. „Von da an hatte ich Krämpfe.“ Dazu kam noch eine Blase unter dem
Fuß, dennoch biss Vogt sich durch, kam nach 14:20:37 Stunden ins Ziel.
Damit war um 21.50 Uhr der „Iron Man“ Günter Vogt geboren – nur knapp
zwei Stunden vor seinem 58. Geburtstag.
Angestoßen hat er darauf mit Ines Heinze und Imre Morva, seinen
Teamkollegen vom SC Bad Münder, die in Roth ebenfalls ins Ziel kamen,
allerdings knapp zwei Stunden schneller waren. Heinze benötigte 12:19:13
Stunden für ihren ersten „Iron Man“, Morva für seinen zweiten 12:08:46
Stunden. „Dass meine Zeit so dicht an der von Imre ist, ist für mich
unfassbar“, sagt Heinze. Noch eineinhalb Tage nach dem Wettkampf meint
man durchs Telefon das Dauergrinsen auf ihrem Gesicht zu sehen. „Ich bin
so happy“, sagt die 43-Jährige. „Ich habe keinen Muskelkater. Mir geht
es super gut.“ Wenn sie mal eine Träne verdrückt habe, dann allenfalls
aus Freude über die Anfeuerung der Zuschauer, darunter auch die Partner
der drei Münderaner.
Der Tag sei nur so an ihr vorübergeflogen,
erzählt sie. Nicht einmal sei ihr der Gedanke ans Aufgeben gekommen. Das
war bei Vogt anders, besonders nach seinem Sturz. Was ihm geholfen hat:
„Ich habe die Gesichter der anderen Sportler gesehen“, sagt er. „Die
haben auch gelitten, aber aufgegeben haben sie auch nicht.“ Für
zusätzliche Motivation sorgte das Publikum, besonders am Solarerberg auf
der Radstrecke. „Da bilden die Zuschauer eine Gasse, sind zum Teil nur
20 Zentimeter von dir entfernt und klopfen dir auf die Schulter“, sagt
Morva, der seine Zeit vom ersten Iron Man vor einem Jahr in Limmer um
zwei Minuten unterbot. „Aber die Zeiten spielen eine zweitrangige
Rolle“, sagt der 44-Jährige. Viele Leute habe er nach dem Wettkampf im
Betreuungszelt getroffen, keiner habe über die Zeiten geredet, „nur
darüber, wie sie sich motiviert haben. Die größte Hürde ist nämlich
tatsächlich im Kopf“.
Was das SC-Trio neben der professionellen
Organisation noch beeindruckte: „Die familiäre Atmosphäre“, sagt Morva,
der sich direkt nach dem Zieleinlauf noch sagte: nie wieder. „Nach sechs
Stunden dachte ich dann: Na ja. Und als am nächsten Tag das Adrenalin
und die Endorphine kamen, wusste ich: Ich mache es auf jeden Fall
wieder.“
Einen ganz besonderen Lohn für die Schinderei erhielt
übrigens Vogt. Er lief ein einsames Rennen und kam daher allein auf die
Schlussrunde ins Stadion. „Alle Zuschauer sind in dem Moment nur für
mich aufgestanden“, sagt er stolz. Und dann hängte ihm auch noch
Sebastian Kienle, der in 7:57:06 Stunden den zweiten Platz belegt hatte,
die Finisher-Medaille um. „Er hat gefragt: Wie kann man sich nur so
quälen.“ Was er geantwortet hat, sagt Vogt nicht. Aber die Glücksgefühle
werden wohl für Einiges entschädigen.